Meldung vom 24.04.2018

Ausstellung: Bilder voller Poesie - Stralsunder Kunst im 19. Jahrhundert

Gleich sieben KünstlerInnen, die alle mit Stralsund verbunden sind, präsentiert das STRALSUND MUSEUM in diesem Jahr in einer großen Sonderausstellung seit dem 5. Mai bis zum 7. Oktober.

Die einzige Frau ist dabei Antonie Biel in der Runde. Sie machte sich bereits zu Lebzeiten einen Namen in der damals von Männern dominierten Kunstszene. 1830 geboren, erkannten die Eltern früh ihre Begabung fürs Malen und förderten sie. Später wurde sie Atelierschülerin bei Wilhelm Schirmer, ihre eigentliche “Kunsttaufe” erhielt Biel nach eigener Aussage in Paris. Ihre letzten 20 Lebensjahre zählten zugleich als ihre schöpferischste und produktivste Zeit. Sie schuf eine Vielzahl von Küstenlandschaften und Marinen, bevor sie 1880 in ihrer Wahlheimat Berlin starb.

Zwar nicht in Stralsund geboren aber in Stralsund Zuhause war Johann Wilhelm Brüggemann. Der gebürtige Göttinger (1786-1866) begann 1807 in der Stralsunder Töchter-Erziehungsanstalt als Zeichenlehrer. Zuvor hatte er an der Kurfürstlichen Akademie der bildenden Künste in Kassel eine Ausbildung zum Landschaftsmaler absolviert. Brüggemann genoss in seiner Wahlheimat nicht nur eine große Popularität sondern auch hohes Ansehen. Von seinen vier Kindern verschrieben sich seine Söhne Siegfried und Hermann gleichfalls der Bildenden Kunst. Auch sie wurden Landschaftsmaler.
Die Ausstellung vereint Sohn Hermann Brüggemann mit dem Vater. Geboren wurde dieser 1822 hier in Stralsund. Seine Ausbildung zum Landschaftsmaler erwarb er 1845/46 mit einem Studium an der Akademie in Kopenhagen. Er war 74 Jahre alt, als er in Friedenau starb.

Ebenfalls gebürtiger Stralsunder war Johann Wilhelm Brücke (1800 – 1874). Nach der Schulzeit wurde Brücke an der Kunstakademie zu Berlin immatrikulierte. Hier blieb er als freischaffender Maler, nachdem ihn zuvor Studien nach Italien geführt hatten. In dieser Zeit schilderte er in seinen Bildern sowohl die römische Architektur als auch die Landschaft und die Menschen. Als besonders gelungen gelten seine wirklichkeitsgetreuen Ansichten (Veduten). Brücke fand als Architektur- und Landschaftsmaler schon sehr früh einen eigenen Stil. Seine Gemälde zeichnen sich optisch durch ihr ins Rötliche gehendes Kolorit aus und sind deshalb relativ leicht zu erkennen.

Gustav Simon Ludwig Wagner wurde am 25. August 1799 in Stralsund geboren. Er studierte Kunst in Dresden. Doch anscheinend hatte er kein einfaches Leben, obwohl seine Arbeiten qualitätvoll waren und sein realistischer Stil den Nerv der damaligen Kunstauffassung traf. Er verstarb mit gerade mal 30 Jahren an einem Lungenleiden.

Mit im Bunde ist auch der Stralsunder Dichter und Silhouettenschneider Karl Fröhlich (1821 -1898). Er wurde mit seinen Scherenschnitten in der deutschen Kinder- und Jugendliteratur bekannt. Der gelernte Schriftsetzer folgte der Scherenkünstler-Tradition des Schuhmachers Wilhelm Müller aus Düsseldorf. Was ursprünglich eine Freizeitbeschäftigung für ihn war, entwickelte sich bald zu seinem Haupterwerb und er begann für Zeitungen und Verlage zu arbeiten. Zu seinen wohl besten Leistungen zählt „Das fröhliche ABC-Buch“.

Nicht zuletzt sind auch Bilder vom in Stralsund geborenen Porträt- und Landschaftsmaler Albert Grell zu sehen. Er lebte von 1814 bis 1891 und war von 1865 bis 1879 Dozent an der Berliner Gewerbeakademie. Hier wurde er zum ordentlichen Professor an der Bau- und Kunstakademie zu Berlin ernannt, zugleich war er Vorsteher der dortigen Kunstsammlungen.

Lassen Sie sich bei einem Ausstellungsbesuch einfangen vom Charisma jener Zeit der Romantik, nicht nur die Bilder spiegeln sie wider, auch das Interieur der Ausstellungsgestaltung wird Sie in eine andere Zeit versetzen.