Der Geschäftsmann

Der gebürtige New Yorker, John Horneburg, kam 1879 als Jugendlicher mit den Eltern in ihre Heimat nach Hamburg. Nach seiner Ausbildung zum Polsterer und Tapezierer arbeitete er einige Jahre bei einem Antiquitätenhändler. Diesem Beruf blieb er letztendlich treu und eröffnete auf Rügen 1884 ein Antiquitätengeschäft und ein Fotoatelier. Horneburg „platzte vor Ideen“, wie Zeitzeugen ihn beschrieben: er reiste als Fotograf über die Insel, vermietete Fremdenzimmer, richtete eine Leihbibliothek für Sommergäste ein und eröffnete ein kleines Milchgeschäft. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Stralsund, kaufte das Haus Semlowerstraße 1 am Alten Markt und richtete dort einen weiteren Antiquitätenladen ein. Die Geschäfte liefen so gut, dass er bald ein zusätzliches Haus in der Mönchstraße erwerben konnte.

Zu seinen Kunden zählte nicht nur das heutige STRALSUND MUSEUM, sondern auch Regierungspräsident Dr. Hausmann, der 1925 im Horneburgschen Geschäft für Gerhart Hauptmann einen besonderen Glasbecher erwarb. Offenbar fühlte sich der Politiker durch den Antiquar aber getäuscht und warf ihm vor, das Preisetikett ausgetauscht zu haben. Das konnte Horneburg als anerkannter und beliebter Geschäftsmann nicht so stehen lassen. Er wandte sich deshalb mit einem Brief an Gerhart Hauptmann und betonte darin, dass er „stolz auf seinen ehrlichen Namen und Ruf“ sei und deshalb „Aufklärung“ herbeiführen möchte. Leider ist nicht überliefert, ob die Angelegenheit zu Horneburgs Zufriedenheit gelöst werden konnte.

Während der NS-Zeit arbeite Horneburg trotz der „braunen Schatten am Sund“ bis 1938 weiter, bis die Verordnung zur „Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ seinem Schaffen ein sofortiges Ende setzte. Im Dezember desselben Jahres begann die Abwicklung seines Geschäftes mit dem Zwangsverkauf von antiken Möbeln, Zinn, Fayencen, Münzen, Büchern und Grafik.

Transkription des Briefes an Gerhart Hauptmann

Stralsund, 3.VII.25

Herrn Gerhard Hauptmann :                               Hochwohlgeboren

Es thut mir sehr leid, Ihnen mit nachfg. Bitte kommen zu müssen – „eine kl. Auskunft“ - welche einzuholen Herrn Dr. Hausmann unser verehrter Regierungspräsident - unbequem;  für mich - aber sicher nachfühlbar; was keiner mehr, wie gerade Sie, entschuldigen werden!

Der kleinste Mensch will erkannt und gerecht werden! jeder Mensch soll und muß die Ehre seines Mitmenschen respektieren und – Vorsicht mit dem ausgesprochenen Wort üben! Worte und Messerstiche sind oft das Gleiche. -

Zur Sache!

Sicher ist Herrn Dr. H. keine Summe zu hoch Ihnen eine kl. Freude zu bereiten; nur hier, bei meinem heutigen Fall handelt es sich darum: Dr. H. glaubt sich etwa, gelinde gesagt: getäuscht! -

Gottlob! bin ich stolz auf ms. (könnte spezielle Abkürzung für meine/meinerseits sein) Ruf und ehrlichen Nahmen - so möchte aufklärung und Licht schaffen. -

Als Euer Hochwohlgeboren den alten Glaspokal (wenn Kartauen krachen – Maduls lachen hat.) besehen und er Ihnen sehr gefiel, - besah auch Dr. H. ihn und machte ihn Ihnen zum Geschenk.---Sie waren darüber sehr verwundert und hatten ein Bedenken ihn anzunehmen – ob der „hohen Kosten“ der Sache halber, - Herr Dr. H. nicht etwa Ruin haben könnte? –

Danach nahm ich fast an: daß Sie hochverehrter Herr, das aufgeklebte Etiquette mit Preisnotierung bemerkt und gelesen hatten. – Ob dieses bei der nur flüchtigen Beschau des Dr. H. geschehen – war mir nicht recht klar – weshalb das Glas ms. meiner Frau zur Reinigung brachte – mit dem Ausweis – das zu lösende Etiquette gut mir aufzuheben! ms. erwachsene Tochter Käthe – auch mein Schwiegersohn Otto Sielaff waren dabei. –

Wollen Sie l. Herr Hauptmann mir gütigst mitteilen: erkennen Sie das Etiquette No. 1 als solches wieder – was auf den Fuß des Glases geklebt war – oder hat ein rundes Etiquette wie No. 2 daran gestanden?

Meinen besten, besten Dank im Voraus

Hochachtungsvollst

Ergebenst

John Horneburg

Stralsund

Semlowerstr.1.

bitte beide Auszeichnungen mir gütigst wieder zurück zu senden.

Auszug aus dem Inventarbuch des STRALSUND MUSEUM, 1908

Das STRALSUND MUSEUM unterhielt von 1908-1947 geschäftliche Verbindungen mit John Horneburg. Der Inventarbuchauszug gibt Auskunft über den Ankauf von überwiegend ur- und frühgeschichtlichen Objekten aus der Sammlung des Fotografen Horneburg in Göhren.

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